MES Einführung – Fallstricke und Lösungen: Dass die Digitalisierung der Auftragsabwicklung in der Fertigung bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) weit oben auf der Agenda steht, war bereits in den letzten Jahren zu beobachten. Dieser Trend beschleunigt sich unter dem Einfluss von Homeoffice und Kontaktbeschränkungen. Die Anschaffung einer entsprechenden Software, einem Manufacturing Execution System (MES), stellt für KMU eine außergewöhnliche finanzielle und organisatorische Herausforderung dar. Wir zeigen Ihnen im Folgenden typische Fallstricke und mögliche Lösungswege.

Projektstart: Mitarbeitende einbeziehen!

Bei der Beschaffung eines MES geht es im ersten Schritt darum, eine Zielstellung festzulegen: Das Ziel sollte spezifisch sein, damit die Mitarbeitenden in der Auftragsentwicklung ein konkretes Bild vor Augen haben und die Vorteile eines MES erkennen. Ist das Ziel zudem messbar, ambitioniert, realistisch und terminiert, kann es den Mitarbeitenden Motivation und Orientierung bieten (vgl. SMART-Formel). Optimalerweise wird das Ziel zusammen mit den beteiligten Mitarbeitenden erarbeitet. Ein typischer Fallstrick ist, die späteren Bedienenden nicht in die Beschaffung des Systems einzubinden: Dies kann zu Akzeptanzproblemen und Nichtbeachtung der Prozesse führen. Im Rahmen von Workshops zur Identifikation von Herausforderungen und zur Prozessaufnahme können die Mitarbeitenden ihr Fachwissen einbringen und einen lebbaren Geschäftsprozess zusammen mit der Unternehmensführung entwerfen. Erfahrungsgemäß ist die Identifikation zum Projekt auf diese Weise höher und die Verbesserung des Systems wird aktiver mitgestaltet.

Nach der Festlegung des Sollprozesses rückt das Marktangebot in den Blickpunkt. Es ist herausfordernd, bei Hunderten von Funktionen den Anbieter mit dem geeignetsten Produkt zu identifizieren. Sinnvoll ist es daher, zuvor Kernanforderungen aus dem Sollprozess abzuleiten. Ein Beispiel: Ein Modul zum Qualitätsmanagement muss im Standardprodukt enthalten sein. Insgesamt sollte die Anzahl der individuellen Softwareanpassungen möglichst gering sein, da diese besonders kostenintensiv sind.

Auswahl und Einführung: Überblick verschaffen und Zeit einplanen

Ein weiterer Fallstrick betrifft die die Auswahl einer geeigneten Software. Hilfreich ist dafür die Nutzung von Vergleichsportalen, um einen Überblick über den Branchenfokus und Zuverlässigkeit von Anbietern zu erhalten. Um sich nicht verfrüht auf eine Lösung festzulegen, ist ein grobes Lastenheft hilfreich. Damit können anschließend mehrere aussichtsreiche Anbieter kontaktiert werden. Nach einer weiteren Konkretisierung der Lasten- und Pflichtenhefte wird im Anschluss eine Software beschafft und implementiert.

Dritter Fallstrick: Es wird oftmals die Dauer der Systemausrollung bis zum Go-Live unterschätzt. Eine umfangreiche Schulung der Mitarbeitenden und Kalibrierung des Systems ist unabdingbar für den erfolgreichen Einsatz. Hierbei verringert die schrittweise Überführung des bestehenden in den neuen Prozess Ausfallrisiken und erleichtert die Umstellung für die Bedienenden.

Sollten Sie ein ähnliches Projekt planen oder generelle Fragestellungen rund um das Thema MES haben, melden Sie sich gerne beim Autor Simon Settnik unter 0511 762 18065 oder per E-Mail an .

Viel Erfolg bei Ihrem Projekt!